{"id":16689,"date":"2025-03-11T13:55:17","date_gmt":"2025-03-11T13:55:17","guid":{"rendered":"https:\/\/new454545.addedsense.eu\/la-douleur-chronique\/"},"modified":"2026-01-08T14:13:21","modified_gmt":"2026-01-08T14:13:21","slug":"umgang-mit-chronischem-schmerz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/454545.lu\/de\/unsere-themen\/persoenliches\/umgang-mit-chronischem-schmerz\/","title":{"rendered":"Umgang mit chronischem Schmerz"},"content":{"rendered":"\n\n\t<h2>K\u00f6rperliche Schmerzen beeintr\u00e4chtigen<\/h2>\n<p>K\u00f6rperliche Schmerzen beeintr\u00e4chtigen das Leben vieler Menschen; unertr\u00e4gliche Schmerzen in den Gelenken, chronische R\u00fcckenschmerzen, wiederkehrende Kopfschmerzen, Schmerzen nach Operationen, Tumorschmerzen&#8230;\u00a0 Sie alle k\u00f6nnen die Betroffenen zerm\u00fcrben und schw\u00e4chen. Sie schlafen schlecht, empfinden weniger Freude am Leben und ziehen sich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Der k\u00f6rperliche (\u201ephysische&#8220;) Schmerz ist sehr belastend, aber viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, wie stark sich Schmerzen auch psychologisch auswirken, wie sie die Lebensqualit\u00e4t vermindern und bewirken, dass nur \u201eein kleines Leben&#8220; gelebt wird. Viele Schmerzpatienten f\u00fchlen sich festgefahren in ihrem Schmerz, verurteilt zur Passivit\u00e4t, Hilflosigkeit und Isolation.<\/p>\n<h2>Forschung zu Schmerz<\/h2>\n<p>In vielen Bereichen (z.B. Tumorforschung) hat sich aber die Erkenntnis bereits durchgesetzt, dass psychologische Unterst\u00fctzung Beschwerden lindern und den Heilungsprozess beschleunigen hilft.<\/p>\n<p>Die Schmerzforschung hat den Weg geebnet, Schmerz \u201eernst zu nehmen&#8220;, das subjektive Leiden jedes von chronischen oder wiederkehrenden Schmerzen Betroffenen zu w\u00fcrdigen und die Betroffenen zu ermutigen, aktiv den Umgang mit ihrem Schmerz zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<h2>Jeder Schmerz ist anders!<\/h2>\n<p>Schmerz wird nicht von allen Menschen gleich empfunden, wird nicht \u201eobjektiv&#8220; wahrgenommen; es geht immer um das pers\u00f6nliche subjektive Schmerzempfinden, das wechseln kann, abh\u00e4ngig von jeweiliger Stimmung, Tagesverfassung und Aktivit\u00e4t.<\/p>\n<blockquote><p>Negative, belastende Gef\u00fchle wie Hoffnungslosigkeit, \u00c4rger und Verzweiflung verst\u00e4rken meinen Schmerz, angenehme Gef\u00fchle wie Freude, gute Laune, Gelassenheit verringern das Schmerzempfinden.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Wenn ich die Erwartung habe, dass es wehtut, dann tut es auch weh!<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Schmerz hat eine wichtige Funktion als Warnsignal, als Zeichen f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse meines K\u00f6rpers oder als Hinweis auf eine Erkrankung.\u00a0 Wenn ich wei\u00df, was in meinem K\u00f6rper abl\u00e4uft, kann ich besser darauf Einfluss nehmen und f\u00fchle mich weniger hilflos.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Schmerz f\u00fchlt sich nicht immer gleich an. Um Unterschiede festzustellen, kann man zeitweise ein Schmerztagebuch f\u00fchren. So beurteit man die Schmerzst\u00e4rke (wechselnd von 1-10), die Schmerzqualit\u00e4t und die Dauer der Schmerzen und macht sich Notizen \u00fcber Stimmung, wichtige Ereignisse und m\u00f6gliche Ausl\u00f6ser. Indem man auf Unterschiede und Ausl\u00f6ser achtet, hat man mehr Kontrolle und f\u00fchlt sich weniger ausgeliefert.<\/p>\n<blockquote><p>Ganz wichtig ist es, mir klar zu machen, dass ich meinen Schmerz st\u00e4rker wahrnehme, wenn ich meine Aufmerksamkeit voll auf den Schmerz richte, mich gedanklich nur darauf konzentriere, dar\u00fcber intensiv spreche oder \u201ejammere&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Schmerz bedeutet Stress. Es hilft mir, mir dar\u00fcber klar zu werden und im Gespr\u00e4ch auszutauschen, was mir Stress bereitet; ist es die Arbeit, sind es die Beziehungen zu Kollegen oder Familienmitgliedern, bin ich durch die Pflege eines Angeh\u00f6rigen \u00fcberlastet? Oft geht es um Mehrfachbelastungen, die ich vielleicht in Zukunft nicht mehr alleine tragen sollte.<\/p><\/blockquote>\n<h2>St\u00e4ndiger Schmerz kann m\u00fcde und tr\u00e4ge machen<\/h2>\n<p>Um mich besser zu f\u00fchlen, hilft es mir, langsam wieder in die Bewegung zu kommen. Hierzu gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten; spazieren gehen, wandern, schwimmen oder tanzen, egal was, wenn es nur Freude macht. Zur Motivationssteigerung kann ich mich auch einer gef\u00fchrten Gruppe anschlie\u00dfen und mit Gleichgesinnten Yoga, Feldenkrais oder Gymnastik nach Musik trainieren.<\/p>\n<p>Es gibt sehr viele Methoden, gut f\u00fcr mich zu sorgen. Um das Geeignete zu finden, kann ich in mich hineinh\u00f6ren und erforschen, was mir fr\u00fcher Freude gemacht hat und vielleicht (wieder) Freude machen k\u00f6nnte. Ich kann fr\u00fchere Hobbies neu beleben oder Neues ausprobieren. Vielleicht habe ich Lust, im Kontakt mit anderen Menschen eine neue Sprache zu lernen. Auch intensive Besch\u00e4ftigung mit Musik, wie z.B. Konzertbesuche, H\u00f6ren von CDs, Singen in einem Chor oder das Erlernen eines Musikinstruments kann mich zeitweise von meinem Schmerz ablenken. Immer, wenn ich mich wohl f\u00fchle,\u00a0 werde ich meine Schmerzen weniger sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Vieles, was hier angesprochen wurde, gelingt nach jahrelangen Schmerzen nicht mehr alleine. Vielleicht hat mich der Mut verlassen, wieder auf Menschen zuzugehen oder alte Freunde anzurufen. Vielleicht fehlt mir die Motivation, wieder in Bewegung zu kommen und aktiv zu werden. Wenn der Schmerz so viel Macht gewinnt, ist es an der Zeit, mir Unterst\u00fctzung zu suchen.<\/p>\n<h2>Therapeutische Hilfe<\/h2>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit einem Arzt und Psychologen\/Psychotherapeuten kann ich offen \u00fcber meine Schmerzen und ihre vielf\u00e4ltigen belastenden Auswirkungen sprechen und konkrete Hilfen bekommen, wie ich in Zukunft besser mit der Schmerzbelastung umgehen kann. Jede Einstellungs- und Verhaltensver\u00e4nderung braucht Zeit und viele anerkannte Techniken m\u00fcssen erst neu erlernt, einge\u00fcbt und regelm\u00e4ssig trainiert werden, um ihre hilfreiche Wirkung voll zu entfalten.<\/p>\n<p>Im therapeutischen Gespr\u00e4ch lerne ich, mein \u201eKatastrophendenken&#8220; abzubauen, indem ich mir dar\u00fcber klar werde, dass Schmerz keine \u201eKatastrophe&#8220; ist, der ich hilflos ausgeliefert bin, sondern durch mein eigenes Zutun beeinflusst werden kann. Ich trainiere auch bewusst, meinen \u201eAufmerksamkeitsscheinwerfer&#8220; weg vom Schmerz hin zu positiven Aktivit\u00e4ten und Erfahrungen lenken.<\/p>\n<p>Der Psychologe kann mich auch dabei unterst\u00fctzen, mein Leben so zu gestalten, dass es mir besser geht:<\/p>\n<ul>\n<li>Ich nehme mir Raum, \u00fcber meine Sorgen, Schuldgef\u00fchle und \u00c4ngste zu sprechen, \u00c4rger und Wut nicht mehr zu schlucken, sondern auszudr\u00fccken.<\/li>\n<li>Ich lerne meinen K\u00f6rper bewusst wahrzunehmen und auch mit meinen Kr\u00e4ften zu haushalten, denn jegliche \u00dcberforderung verst\u00e4rkt meine Schmerzen.<\/li>\n<li>Ich trainiere, meine Sprache optimistischer zu gestalten (\u201egute Laune-W\u00f6rter&#8220;).<\/li>\n<li>Ich lerne, gut f\u00fcr mich zu sorgen, indem ich meine Isolation verlasse, selber aktiv werde und Verantwortung \u00fcbernehme f\u00fcr mein Leben und f\u00fcr meinen Umgang mit Schmerzen.<\/li>\n<li>Und ich lerne, mir zu erlauben, andere Menschen um Hilfe zu bitten!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weil Schmerz viel mit Anspannung zu tun hat, macht es Sinn, in schmerzfreien Zeiten Entspannungsverfahren wie z.B. Autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson zu erlernen und regelm\u00e4\u00dfig anzuwenden. Auch bestimmte Atemtechniken (z.B. Bauchatmung) k\u00f6nnen helfen, innerlich zur Ruhe zu kommen. Angebote zum Erlernen verschiedener Atem- und Entspannungstechniken gibt es im Programm von Institutionen der Erwachsenenbildung und Gesundheitspflege. Auch von meinem Hausarzt kann ich mir Psychologen oder Psychotherapeuten nennen lassen, die Behandlungsschwerpunkte wie z.B. Schmerzbew\u00e4ltigung, Stressbew\u00e4ltigung, Umgang mit chronischem Schmerz und Entspannungsverfahren anbieten.<\/p>\n<p>Manchmal ist es trotz aller hilfreichen Techniken n\u00f6tig, ein Medikament zu nehmen. Auch diese Hilfe darf ich nutzen &#8211; ohne schlechtes Gewissen. Ich sollte auch nicht zu lange damit warten, um mein \u201eSchmerzged\u00e4chtnis&#8220; nicht zum Zuge kommen zu lassen.<\/p>\n<h2 id=\"test\">Ein Anruf bei SOS D\u00e9tresse<\/h2>\n<p>Ein Anruf bei SOS D\u00e9tresse kann der erste Schritt sein, die Isolation zu verlassen, mit meinem Schmerz nicht mehr allein zu bleiben, sondern mit einem anderen Menschen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. In einem (anonymen) Gespr\u00e4ch mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Telefon habe ich die M\u00f6glichkeit, mich zu \u00f6ffnen und gemeinsam n\u00e4chste Schritte zu \u00fcberlegen.<\/p>\n<h2>Hilfreiche Literatur<\/h2>\n<p>Butler Moseley, 2009, Schmerzen verstehen 2. Auflage, Springer<\/p>\n<p>Richter, Jutta. Schmerzen verlernen. Springer, 2. Auflage (2013). ISBN-13: 978-3642349331<\/p>\n<p>von Wachter, Martin. Chronische Schmerzen. Springer, 2. Auflage (2014). ISBN-13: 978-3642393259<\/p>\n<p>Wolf, Doris. \u201eK\u00f6rperliche Schmerzen&#8220; Selbsthilfe Beratung.<\/p>\n<p>Wolf, Doris. \u201eIn 60 Sekunden wieder gut drauf sein &#8211; geht das?&#8220; Selbsthilfe Beratung.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6rperliche Schmerzen beeintr\u00e4chtigen K\u00f6rperliche Schmerzen beeintr\u00e4chtigen das Leben vieler Menschen; unertr\u00e4gliche Schmerzen in den Gelenken, chronische R\u00fcckenschmerzen, wiederkehrende Kopfschmerzen, Schmerzen nach Operationen, Tumorschmerzen&#8230;\u00a0 Sie alle k\u00f6nnen die Betroffenen zerm\u00fcrben und schw\u00e4chen. Sie schlafen schlecht, empfinden weniger Freude am Leben und ziehen sich zur\u00fcck. 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