{"id":16957,"date":"2025-04-11T12:13:01","date_gmt":"2025-04-11T12:13:01","guid":{"rendered":"https:\/\/new454545.addedsense.eu\/grandir-parmi-plusieurs-cultures\/"},"modified":"2025-06-19T13:31:12","modified_gmt":"2025-06-19T13:31:12","slug":"zwischen-mehreren-kulturen-aufwachsen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/454545.lu\/de\/unsere-themen\/migration\/zwischen-mehreren-kulturen-aufwachsen\/","title":{"rendered":"Zwischen mehreren Kulturen aufwachsen"},"content":{"rendered":"\n\n\t<p><em>Ich wei\u00df nicht wo ich geboren bin,<\/em><\/p>\n<p><em>wei\u00df auch nicht, wer ich bin.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich wei\u00df nicht, woher ich komme,<\/em><\/p>\n<p><em>wei\u00df auch nicht, wohin ich geh.<\/em><\/p>\n<p><em>Bin von einem Baum ein abgebrochener Ast,<\/em><\/p>\n<p><em>der nicht wei\u00df, wohin er gefallen ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Wo k\u00f6nnten meine Wurzeln sein?<\/em><\/p>\n<p><em>Von welchem Stamm bin ich ein Zweig?<\/em><\/p>\n<p><strong>Volkslied aus Kolumbien<\/strong><\/p>\n\t<p>Migration beeinflusst nicht nur das Leben der Eltern. Sie hat auch eine Auswirkung auf das Leben der im Gastland geborenen Kinder oder der Kinder, die in jungen Jahren ausgewandert sind.<\/p>\n<h2>Lasst uns diese Erfahrung mit den Augen der Kinder betrachten&#8230;<\/h2>\n<p>Der Tag, an dem wir unser Land verlassen haben, bleibt in unserem Ged\u00e4chtnis. Diese Erfahrung war umso schmerzlicher, je einsamer wir uns in unserer Trauer f\u00fchlten und je weniger wir unseren Eltern, die schon genug Leid erfuhren, dies mitteilen konnten. Wir wurden vielleicht nicht gen\u00fcgend auf die Auswanderung vorbereitet, oder wir wussten nicht, wie lange sie dauern sollte. Man hatte uns vielleicht gesagt, in ein paar Jahren w\u00fcrden wir in unsere Heimat zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Wenn f\u00fcr die Eltern hinsichtlich der schwierigen Lage, der Gedanke einer baldigen R\u00fcckkehr ein beruhigendes Gef\u00fchl ist, so wird es f\u00fcr die Kinder dadurch schwer, sich eine Zukunft im Gastland vorzustellen und aufzubauen.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6gen uns an die schwierigen Anfangszeiten erinnern und auch an die Traurigkeit der Eltern&#8230; Die erste Zeit der Immigration war sehr emotionsgeladen f\u00fcr alle Beteiligten, und der Stress der Eltern war f\u00fcr uns sp\u00fcrbar. Unsere Eltern mussten sich im neuen Land zurechtfinden, wir mussten uns an eine neue Schule gew\u00f6hnen, neue Freunde gewinnen, und es war nicht leicht, uns mit den anderen Kindern zu identifizieren, die sich anders verhielten als wir. Dabei spielte es keine Rolle, ob wir hier oder im Heimatland geboren waren, es gab Unterschiede zu den andern Kindern, und das war ein unangenehmes Gef\u00fchl. Vielleicht haben wir uns unserer Eltern gesch\u00e4mt, weil sie anders waren, weil sie der einheimischen Sprache noch nicht m\u00e4chtig waren oder weil sie einen weniger angesehenen Beruf aus\u00fcbten. Sie hatten wahrscheinlich nicht die gleichen finanziellen M\u00f6glichkeiten oder auch die Wohnung entsprach nicht dem \u00fcblichen Standard. Die Eltern mussten viel und hart arbeiten, und neben der anfallenden Hausarbeit hatten sie eventuell nicht genug Zeit, um sich um unsere Probleme zu k\u00fcmmern. Das Leben im neuen Land war vielleicht anfangs nicht immer ganz einfach.<\/p>\n<p>Wir haben alle unsere pers\u00f6nlichen Erinnerungen an die Auswanderungszeit unserer Eltern. Diese Erfahrung hat unser Leben gepr\u00e4gt, sowohl im positiven wie im negativen Sinne. Sie hat uns und unserer Familie jedenfalls neue M\u00f6glichkeiten und Perspektiven er\u00f6ffnet.<\/p>\n<h2>Geh\u00f6re ich hierhin oder dorthin?<\/h2>\n<p>Wenn man zwischen zwei Kulturen aufw\u00e4chst, kann man sich mehr zu der einen hingezogen f\u00fchlen als zu der anderen, oder aber gleichzeitig zu beiden Kulturen. Wir f\u00fchlen uns hier mehr zugeh\u00f6rig oder im Heimatland. Es kann auch das Gef\u00fchl aufkommen, weder zu der einen noch zu der anderen zu geh\u00f6ren. Hier sp\u00fcren wir, dass wir anders sind, und dort sehen wir uns auch als Fremde. Wir brauchen uns allerdings nicht zu entscheiden zwischen der einen oder anderen Kultur, unsere Identit\u00e4t und unsere Zugeh\u00f6rigkeit h\u00e4ngen von einzelnen Aspekten unserer Nationalit\u00e4t ab.<\/p>\n<p>Wir haben intuitiv gelernt in beiden Kulturen zu leben. Viele halten die Kultur aus dem Herkunftsland zu Hause wach, kommunizieren in der Muttersprache oder feiern Feste aus ihrem fr\u00fcheren Kulturkreis, sprechen aber im \u00f6ffentlichen Leben die Sprache des Gastlandes und nehmen auch in vollem Umfang am Gesellschaftsleben teil.<\/p>\n<p>Viele bleiben dem Land ihrer Eltern verbunden, auch wenn sie dort nie gelebt haben. Wenn wir in unserer Kindheit regelm\u00e4\u00dfig im Herkunftsland gewesen sind und Verwandte dort besucht haben, ist die Bindung gr\u00f6\u00dfer. Dieses Land ist in dem Fall mit Urlaub, Sonne, Festen, Freude und allgemeiner guter Laune unserer Eltern verkn\u00fcpft. An diesem Ort haben wir das Gef\u00fchl, dazu zu geh\u00f6ren. Andere haben nicht die M\u00f6glichkeit, das Land ihrer Vorfahren zu besuchen. Die Verbundenheit damit wird bei ihnen \u00a0durch anschauliche Erz\u00e4hlungen der Eltern hergestellt.<\/p>\n<p>Das Interesse f\u00fcr die Kultur der Eltern kann unterschwellig sein oder sp\u00e4ter zum Vorschein kommen. Im Erwachsenenalter k\u00f6nnen wir das Bed\u00fcrfnis haben, die Sprache des Heimatlandes unserer Eltern zu erlernen oder eine Reise dorthin zu unternehmen.<\/p>\n<p>Wenn wir uns bewusst werden, was die zwei Kulturen uns bringen, k\u00f6nnen wir das Beste aus jeder entnehmen und Vorteile aus dieser doppelten Zugeh\u00f6rigkeit gewinnen.<\/p>\n<h2>Die doppelte Zugeh\u00f6rigkeit<\/h2>\n<p>Von Geburt an pr\u00e4gt unser soziales und kulturelles Umfeld unsere Pers\u00f6nlichkeit und unsere Identit\u00e4t. Unsere Familie mit ihrer Kultur beeinflusst unser Verhalten, unsere Denkweise und welche Werte und soziale Normen wir kennengelernt haben.&#8230;<\/p>\n<p>Sind wir in der neuen Gesellschaft auf die Welt gekommen oder sind wir im fr\u00fchen Alter hierher gezogen, so sind wir trotzdem in unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen. In dieser spezifischen Situation, im Kontakt mit mehreren Kulturen, bauen wir unsere Pers\u00f6nlichkeit auf. Ohne es richtig wahrzunehmen, springen wir von einer Welt in die andere: die Welt der Familie mit der Kultur der Eltern, und auf der anderen Seite die Welt der Schule und der Medien mit der Kultur des Gastlandes.<\/p>\n<p>Jede Familie funktioniert auf ihre Art mit ihren internen Regeln und ihrer Kommunikationsart. Sind die Kulturen sehr verschieden, kann eine Kluft entstehen zwischen dem famili\u00e4ren und sozialen Umfeld. Kinder brauchen das Gef\u00fchl, Teil der Gruppe zu sein, in der sie leben, besonders in der Gruppe der Gleichaltrigen. Sie brauchen es aber auch, zu der kulturellen Welt der Eltern zu geh\u00f6ren. Nur so ist es ihnen m\u00f6glich, die beiden Kulturen zu verbinden und sich bestm\u00f6glich integriert zu f\u00fchlen.<\/p>\n<h2>&#8230; als Bereicherung<\/h2>\n<p>Die doppelte Zugeh\u00f6rigkeit ist eine Bereicherung. In zwei Kulturen aufzuwachsen hat den Vorteil, dass wir zwei Referenzmodelle haben, einer anderen Sprache m\u00e4chtig sind und \u00fcber andere Denkweisen verf\u00fcgen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen w\u00e4hlen, ob wir beide \u00a0Kulturen in unseren Alltag einbinden wollen. Diese M\u00f6glichkeit in einer Welt zu haben, die sich immer mehr ver\u00e4ndert, kann von Nutzen sein.<\/p>\n<p>Es stimmt, dass Migration viele Einschr\u00e4nkungen mit sich bringt und Stress bedeutet, sie gibt aber auch allen Familienmitgliedern die Chance sich zu entfalten, zu lernen und sich zu entwickeln.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df nicht wo ich geboren bin, wei\u00df auch nicht, wer ich bin. Ich wei\u00df nicht, woher ich komme, wei\u00df auch nicht, wohin ich geh. Bin von einem Baum ein abgebrochener Ast, der nicht wei\u00df, wohin er gefallen ist. Wo k\u00f6nnten meine Wurzeln sein? Von welchem Stamm bin ich ein Zweig? 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