{"id":16959,"date":"2025-04-15T06:58:46","date_gmt":"2025-04-15T06:58:46","guid":{"rendered":"https:\/\/new454545.addedsense.eu\/discordances-entre-generations\/"},"modified":"2025-06-19T13:32:40","modified_gmt":"2025-06-19T13:32:40","slug":"unstimmigkeiten-zwischen-den-generationen-und-kulturen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/454545.lu\/de\/unsere-themen\/migration\/unstimmigkeiten-zwischen-den-generationen-und-kulturen\/","title":{"rendered":"Unstimmigkeiten zwischen den Generationen und Kulturen"},"content":{"rendered":"\n\n\t<p>Wenn die Kinder sich anderen Normen zuwenden, kann das die Beziehung zwischen den Eltern und Kindern erschweren. Spannungen und Konflikte k\u00f6nnen dadurch entstehen, dass die Eltern an den Traditionen festhalten und die Kinder in der Gruppe der Gleichaltrigen akzeptiert werden und deren Werte \u00fcbernehmen wollen.<\/p>\n<p>Durch die Schule, den Kontakt mit Gleichaltrigen und Lehrern sind die Kinder in die Gesellschaft des Gastlandes einbezogen. Sie lernen und praktizieren viel schneller die Gepflogenheiten des Gastlandes und sprechen auch dessen Sprache. Die Eltern dagegen f\u00fchlen sich nicht immer wohl in der neuen Kultur mit ihrer neuen Sprache. Sie str\u00e4uben sich m\u00f6glicherweise gegen die \u00c4nderungen und legen gro\u00dfen Wert darauf, die Tradition beizubehalten. Kinder haben nicht immer die M\u00f6glichkeit, die Kultur des Heimatlandes kennenzulernen. So besteht das Risiko, dass Eltern und Kinder in verschiedenen kulturellen Welten leben.<\/p>\n<p>Diese Kluft kann die Kommunikation besonders im Jugendalter erschweren. Auch spielt sich ein Gro\u00dfteil des Lebens der Kinder au\u00dferhalb des Hauses ab, und die internen Hausregeln, die Art sich zu kleiden, zu reden, der Freundeskreis oder Ausgehzeiten sorgen f\u00fcr Spannungen. Jeder h\u00e4lt an seinen Modellen, Erwartungen und Werten fest, und auf beiden Seiten herrscht Unverst\u00e4ndnis und Anspannung. Die \u00e4ltere und j\u00fcngere Generation muss mit ihren kulturellen Unterschieden und dem Generationskonflikt fertig werden. Eltern erwarten vielleicht, die Bed\u00fcrfnisse der Kinder m\u00fcssten hinter denen der Familie stehen, ausw\u00e4rtige Freundschaften h\u00e4tten noch Zeit, besonders diejenigen mit dem anderen Geschlecht. Was der Jugendliche will, st\u00f6\u00dft auf Widerstand seitens der Eltern. Es gibt Streit und Verletzungen, f\u00fcr die man sich im Nachhinein sch\u00e4mt.<\/p>\n<p>Konflikte geh\u00f6ren zum normalen Familienleben, trotzdem ist ein harmonisches Zusammenleben mit den nahe stehenden Personen f\u00fcr jeden wichtig. Es kommt auf die Art an, wie man Konflikte l\u00f6st.<\/p>\n<h2>Die Sichtweise der Kinder und Jugendlichen&#8230;<\/h2>\n<p>Als Kinder von Migranten schienen unsere Eltern strenger zu sein als die der anderen Kinder. Wir hatten vielleicht nicht die gleichen Freiheiten wie unsere Freunde, die abends ausgehen durften. Wir fanden uns \u00fcberwacht und kontrolliert. Zu Hause gab es unantastbare Regeln, und wir nahmen unseren Eltern diese strengen Bestimmungen \u00fcbel. In unserem Umfeld sahen wir viel tolerantere Eltern, und wir mussten h\u00f6ren: \u00abBei uns ist es so\u00bb und das war frustrierend.<\/p>\n<p>Da wir uns in der Kultur des Gastlandes heimischer f\u00fchlten als unsere Eltern, konnten wir besser die beiden Kulturen vergleichen und bewerten. Unsere urspr\u00fcngliche Kultur lag uns nicht so nah wie unseren Eltern, und wir stellten manches in Frage von dem, was sie uns beibringen wollten. Wir hatten das Gef\u00fchl, sie w\u00e4ren nicht fortschrittlich und w\u00fcrden an \u00fcberholten Ideen festhalten.<\/p>\n<p>Manchmal entstand auch dadurch eine Kluft zwischen unseren Eltern und uns, da wir die Sprache besser beherrschten oder durch die h\u00f6here Bildung, die wir genossen. Wir kannten die Sprache und die Gepflogenheiten des Gastlandes und mussten manchmal unseren Eltern bei administrativen Angelegenheiten behilflich sein oder auch dolmetschen. Dadurch wurden wir wohl schnell reif und \u00fcbernahmen Verantwortung, aber deshalb hatten wir Schwierigkeiten die Autorit\u00e4t unserer Eltern anzuerkennen.<\/p>\n<p>Wir befanden uns in einer Lage, in der es nicht einfach ist, die Erwartungen und Werte der Eltern mit denen unseres kulturellen Umfeldes zu vereinbaren. Wenn es zu gro\u00dfe Unterschiede gibt, woher sollen wir wissen, in welche Richtung wir steuern sollen und wessen Erwartungen wir zufrieden stellen sollen? F\u00fcr M\u00e4dchen mag es wichtig erscheinen, Erfolg in der Schule zu haben und sich F\u00e4higkeiten anzueignen, die in der Gesellschaft wichtig sind, wie Kreativit\u00e4t und Pers\u00f6nlichkeit. Auf der anderen Seite wird erwartet, dass sie das traditionelle Rollenverst\u00e4ndnis der Frau \u00fcbernehmen. Es ist f\u00fcr sie schwer zu ertragen, wenn sie in der Familie als unloyal gelten.<\/p>\n<p>Wir sind unseren Eltern dankbar und uns auch bewusst welches Ma\u00df an Verzicht und M\u00fche es sie gekostet hat, um uns bessere Lebensbedingungen zu erm\u00f6glichen. Wir f\u00fchlen uns ihnen verpflichtet und wollen sie nicht in ihren Erwartungen und Idealen entt\u00e4uschen. Wir wollen uns aber auch der Gesellschaft anpassen, die f\u00fcr uns die Zukunft bedeutet.<\/p>\n<h2>&#8230; und die der Eltern<\/h2>\n<p>Als Einwanderer m\u00fcssen wir unsere Kinder in einer fremden Umgebung und ohne Unterst\u00fctzung erziehen. Erziehung ist immer eine schwierige Aufgabe, und im Fall der Migration sind wir vor weitere Herausforderungen gestellt, um unsere Rolle so gut wie m\u00f6glich zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Wir f\u00fchlen uns oft allein gelassen bei den allt\u00e4glichen Schwierigkeiten. Die Unterst\u00fctzung unserer Familie und unserer Eltern, die im Heimatland geblieben sind, fehlt uns. Dabei w\u00e4re es wichtig, sich austauschen zu k\u00f6nnen und in unserem Tun best\u00e4tigt zu werden. Was man am meisten entbehrt, sind kleine Hilfestellungen und Gef\u00e4lligkeiten, die unseren Alltag vereinfachen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Alle haben wir ein ideales Bild von guten Eltern und guten Erziehungsmethoden im Kopf. Im neuen kulturellen Umfeld stellen wir fest, dass es dort andere Normen gibt. Was als klassische Erziehungsmethode in dem einem Land gilt, kann in dem anderen als ganz ungew\u00f6hnlich gesehen werden. Das neue Land und auch die moderne Gesellschaft erschweren das allt\u00e4gliche Leben, alles ist anders als das, was wir bis jetzt gekannt haben. Weit weg von unseren Verwandten zweifeln wir an unseren erzieherischen F\u00e4higkeiten, vieles stellen wir infrage, wir wissen nicht mehr, wie wir sind noch was wir machen sollen. Wir f\u00fchlen uns machtlos.<\/p>\n<p>Diese Unterschiede zwischen den jeweiligen Werten und Erziehungsmethoden verunsichern uns, wir wollen wenigstens innerhalb der Familie eine gewisse Stabilit\u00e4t wahren, auch wenn wir deswegen strengere Regeln festsetzen und manches untersagen m\u00fcssen. Die Jugendlichen wollen manchmal etwas unternehmen, das in der Kultur des Gastlandes angebracht ist, aber in der Kultur des Herkunftslandes darf es nicht sein. Wenn das Benehmen der Kinder zu sehr von unseren Erwartungen abweicht oder wenn sie zu viele Freiheiten verlangen, bleibt uns keine andere Wahl als mehr Autorit\u00e4t walten zu lassen. Besonders das \u00e4lteste Kind wollen wir nach der idealen Vorstellung des Heimatlandes, vielleicht noch strenger, erziehen. Wir f\u00fchlen uns dann verletzt, wenn die Kinder uns Erziehungspraktiken vorwerfen, die in unserer Heimat als f\u00fcrsorglich gelten.<\/p>\n<p>Auch wenn wir der Ansicht sind, dass die Gepflogenheiten des Gastlandes in Konkurrenz stehen zu den unseren, so m\u00fcssen wir die Anpassung der Kinder an die neue Gesellschaft akzeptieren, weil sich dort ihre Zukunft abspielt. Was uns am meisten am Herzen liegt, ist, ihnen die Werte zu vermitteln, die ihnen ein gl\u00fcckliches Leben erm\u00f6glichen.<\/p>\n<h2>Nur durch Gespr\u00e4che lassen sich Konflikte mildern<\/h2>\n<p>Jede Kultur und auch jede Familie funktioniert auf ihre eigene Art. Gef\u00fchle werden durch Worte oder Handlungen ausgedr\u00fcckt, manche Themen werden m\u00f6glicherweise \u00fcberhaupt nicht angeschnitten, Kinder und Eltern sprechen einfach nicht \u00fcber gewisse Dinge, manche Fragen bleiben offen.<\/p>\n<p>Wenn bei Zwisten jede Generation auf ihrem Standpunkt beharrt, ihre Sichtweise nicht \u00e4ndert, dann gibt es keinen Ausweg. Ohne Kommunikation werden die Unstimmigkeiten und das Unverst\u00e4ndnis gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Es gibt keine einfachen L\u00f6sungen bei Generationskonflikten und kulturellen Unterschieden. Man muss trotzdem vieles hinterfragen und sich immer wieder anpassen. Wir m\u00fcssen offen bleiben f\u00fcr die Gef\u00fchle unserer Mitmenschen und auch unsere eigenen annehmen, so kann eine konstruktive Kommunikation zustande kommen. Zusammen k\u00f6nnen wir einen Kompromiss erzielen und uns ann\u00e4hern.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Eltern ist es wichtig, ihre eigenen Werte zu vermitteln und trotzdem andere Lebensformen anzunehmen. Wenn sie an ihre eigenen F\u00e4higkeiten glauben und auch an das Potential ihrer Kinder, verm\u00f6gen sie ihre Elternrolle im Gastland lockerer anzugehen.<\/p>\n<p>Als Eltern ist man immer verunsichert, ob man richtig handelt, man hat Angst und man zweifelt.\u00a0 Wenn die Eltern an all die M\u00fchen und Geduld zur\u00fcckdenken, die sie aufgebracht haben,\u00a0 um ihren Kindern Werte und F\u00e4higkeiten beizubringen, hilft es ihnen vielleicht, weniger besorgt zu sein und dann den richtigen Weg zu finden.<\/p>\n<p>Sich der eigenen Verletzlichkeit bewusst sein und die Empfindlichkeiten der anderen akzeptieren schwei\u00dft zusammen, verbessert die Kommunikation und hilft angepasste L\u00f6sungen zu finden. Man kann nur offen sein, wenn man auf sich selbst und auf die anderen h\u00f6rt.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die Kinder sich anderen Normen zuwenden, kann das die Beziehung zwischen den Eltern und Kindern erschweren. Spannungen und Konflikte k\u00f6nnen dadurch entstehen, dass die Eltern an den Traditionen festhalten und die Kinder in der Gruppe der Gleichaltrigen akzeptiert werden und deren Werte \u00fcbernehmen wollen. Durch die Schule, den Kontakt mit Gleichaltrigen und Lehrern sind&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":15659,"parent":17099,"menu_order":11,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-16959","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/16959","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16959"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/16959\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/17099"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15659"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}