{"id":17031,"date":"2025-04-15T06:35:16","date_gmt":"2025-04-15T06:35:16","guid":{"rendered":"https:\/\/new454545.addedsense.eu\/deuil-et-crises\/"},"modified":"2025-06-19T14:26:31","modified_gmt":"2025-06-19T14:26:31","slug":"trauer-krisen-neue-perspektiven-finden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/454545.lu\/de\/unsere-themen\/krisen\/trauer-krisen-neue-perspektiven-finden\/","title":{"rendered":"Trauer &#038; Krisen \u2013 Neue Perspektiven finden"},"content":{"rendered":"\n\n\t<p>Trauer bedeutet Verlust. Verlust von etwas, was Ihnen wertvoll ist. Einen geliebten Menschen zu verlieren, hei\u00dft jemanden loszulassen, der einem viel wert ist. Sie werden nicht gefragt, ob Sie dies m\u00f6chten, sondern werden &#8211; vom einen zum anderen Moment &#8211; in eine Realit\u00e4t geschleudert, die Sie so nicht gew\u00e4hlt haben. Trauerwege sind individuell sehr unterschiedlich. Sie dauern, die Zeit, die sie jeweils brauchen. Und damit verbunden sind Krisen, die bew\u00e4ltigt werden wollen und aus denen jedoch auch letztendlich &#8211; wie das Licht am Ende des Tunnels\u00a0&#8211; neue Perspektiven erwachsen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Vor einigen Wochen hatte die Mutter zusammen mit ihrer Tochter entschieden, dass es an der Zeit war, in ein Pflegeheim zu gehen. Ihre Mutter, aus der im letzten Jahr mehr und mehr Lebensenergie gewichen, die vergesslich und gebrechlich geworden war, konnte sich nicht mehr alleine versorgen. Dieser Schritt war auch der Tochter schwergefallen. In den letzten Wochen war Sie nach jedem Besuch heimgefahren, mit der leisen Bef\u00fcrchtung und Traurigkeit, dass es der letzte Besuch sein k\u00f6nnte. Das Telefon klingelt und das Herz der Tochter schl\u00e4gt schneller.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Frau muss sich am T\u00fcrrahmen festhalten, weil Sie das Gef\u00fchl hat, dass ihr sonst die Beine wegsacken. Zwei Polizisten stehen vor ihr und haben ihr gerade mitgeteilt, dass ihr Mann einen Motorradunfall hatte und t\u00f6dlich verungl\u00fcckt ist. \u201eEs tut uns leid, wir konnten nichts mehr f\u00fcr ihn tun&#8220; h\u00f6rt sie und versteht nicht, was gerade gesagt wird. Ihr Kopf ist zu, alles wirbelt durcheinander, das Herz pulsiert und ein Schrei bleibt im Hals stecken.<\/em><\/p>\n<p><em>Beide haben sie sich unendlich auf Ihr zweites Kind gefreut. Bis zum Beginn des 8.Monats war alles ganz normal verlaufen. Bei der letzten Untersuchung hatte der Arzt ihr etwas mehr Ruhe verordnet. Und gestern hatten die Wehen fr\u00fchzeitig eingesetzt. Doch relativ entspannt war sie zusammen mit ihrem Mann in die Klinik gefahren. Ihr Erstgeborener war gut bei den Gro\u00dfeltern versorgt. Dann war in der Klinik alles ganz schnell und hektisch gegangen. In ihrem Kopf h\u00e4mmert st\u00e4ndig nur dieses eine Wort \u201etotgeboren&#8220;. Kaum kann sie den Blick von ihrer Tochter wenden, die neben ihr liegt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dumpfe Leere, Herzschlag, der bis in den Kopf pocht, ged\u00e4mpfte Stille, auch wenn es um Sie herum laut ist. Vielleicht k\u00f6nnen Sie sich an die Empfindung erinnern, als Sie die Nachricht vom Tod einer Ihnen nahestehenden Person bekommen haben. Das Gef\u00fchl, das Sie im ersten Moment empfunden haben und sich vielleicht tief in Ihrem Inneren eingegraben hat.<\/p>\n<h2>Facetten des Trauerns<\/h2>\n<p>Von diesem Moment an sind Sie in einen Trauerprozess geschleudert worden, ohne ihr Wollen, ohne Ihre aktive Entscheidung. Es ist jedoch ein Prozess, der Sie lebenslang begleiten und ver\u00e4ndern wird.<\/p>\n<p>Trauerwege sind so unterschiedlich wie wir Menschen unterschiedlich sind. Und so wird es sich f\u00fcr Sie anders anf\u00fchlen, wie f\u00fcr einen anderen Menschen. Daher l\u00e4sst sich Trauer auch gut mit verschiedenen Facetten beschreiben, die ineinander \u00fcbergehen, sich wiederholen oder \u00fcberschneiden <a href=\"https:\/\/454545.lu\/de\/unsere-infotexte\/themenbereich-krisen-wendepunkte-im-leben\/trauer-krisen-neue-perspektiven-finden\/#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>In den ersten Tagen ist die Tochter ganz ausgef\u00fcllt von organisatorischen Aufgaben, Zeitungsannonce aufsetzen, Bestattungsinstitut benachrichtigen, mit dem Pfarrer sprechen, eine Trauerrede schreiben, das Restaurant reservieren, das Zimmer r\u00e4umen. Wie in Trance arbeitet sie die notwendigen Punkte ab. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Frau ist von vielen Freunden und Familienangeh\u00f6rigen umgeben, die Ihr helfen, die ersten Tage nach dem Unfalltod Ihres Mannes zu \u00fcberstehen. Fast teilnahmslos und im Schockzustand sitzt sie dabei. Auch bei der Erledigung der Formalit\u00e4ten bekommt Sie Unterst\u00fctzung. Nur mit M\u00fche steht sie die Trauerfeier durch. <\/em><\/p>\n<p><em>Wie durch einen Schleier erlebt die Mutter die ersten Tage nach der Geburt. Nur mit gro\u00dfer Anstrengung kann sie sich um ihren erstgeborenen Sohn k\u00fcmmern. Ihr Mann erledigt viele notwendige Dinge und kann sich so ein wenig von seinem Schmerz ablenken. Viele Freunde aus dem kleinen Dorf sowie auch Familienangeh\u00f6rige versammeln sich um die Familie.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den ersten Tagen nach dem Tod eines Menschen gibt es Dinge, die erledigt werden m\u00fcssen. Die Sie oder nahe Verwandte tun m\u00fcssen. Dies kann Sie vielleicht ablenken oder noch zu einer zus\u00e4tzlichen Belastung werden. Und so banal es klingt, auch wenn Ihnen dies vielleicht gerade in diesem Moment schwerf\u00e4llt: sie m\u00fcssen essen und trinken, schlafen, sich um Ihre Kinder k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Fragen: wie kriege ich das hin? Wie kann ich das \u00fcberstehen und durchhalten? Wer hilft mir? Vielleicht auch, auf wen kann ich mich jetzt verlassen? Wie h\u00e4tte sich der Verstorbene die Trauerfeier gew\u00fcnscht? Wie m\u00f6chte er begraben sein? sind gerade pr\u00e4sent f\u00fcr Sie.<\/p>\n<p>Vielleicht waren Sie es bis zu diesem Moment gewohnt, alles alleine zu machen, Ihren Alltag zu meistern. Und vielleicht ist es an dieser Stelle auch so, dass Sie Hilfe und Unterst\u00fctzung von anderen ben\u00f6tigen, die Sie auch annehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dass ihre Mutter gestorben ist, wird der Tochter erst so richtig bewusst, als sie die Kisten ausr\u00e4umt, die sie aus dem Altersheim mitgebracht hat. Noch h\u00e4ngt der Duft der Mutter in den Kleidern, findet sie Gegenst\u00e4nde, die sie schon als Kind gern ber\u00fchrt hat. Der Tochter wird die fehlende Pr\u00e4senz, die fehlenden regelm\u00e4\u00dfigen Telefonate schmerzhaft bewusst. Und sie kann ihre Tr\u00e4nen zum ersten Mal zulassen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nur langsam dringt bei der Frau durch, dass ihr Mann nie mehr zur T\u00fcre hereinkommt, sie sich keinen Kuss zur Begr\u00fc\u00dfung mehr geben werden. Manchmal ertappt sie sich dabei, ihrem verstorbenen Mann eine sms zu schreiben, um ihm etwas zu erz\u00e4hlen. Der Schock sitzt noch immer tief. Sie f\u00fchlt sich weit von sich und anderen entfernt.<\/em><\/p>\n<p><em>Heute ist es zum ersten Mal, dass die Mutter in das liebevoll eingerichtete Kinderzimmer geht. Schmerzhaft wird ihr bewusst, dass sie ihre Tochter nie in diesem Zimmer lachen oder weinen h\u00f6ren wird. Lange sitzt sie in der Stille des Zimmers und weint.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach und nach wird Ihnen bewusst, dass der Mensch, um den Sie trauern, nicht mehr da ist. Dass der geliebte Mensch tot ist. Vielleicht bekommt das eine ganz andere Bedeutung f\u00fcr Sie. Das, was bisher nur bei anderen passiert ist, ist auf einmal ganz dicht an Ihnen dran. Vielleicht machen Sie sich auch Gedanken, wie die letzten Momente vor dem Tod des Menschen waren? Vielleicht f\u00fchlen Sie sich auch gerade noch sehr stark in Gedanken mit dem Menschen verbunden, gehen in ein gemeinsames Zwiegespr\u00e4ch. Es k\u00f6nnte auch sein, dass sich Ihre Gedanken und Bilder f\u00fcr das, was nach dem Tod kommt, \u00e4ndern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Neben der Leere und Stille, die die Tochter umf\u00e4ngt, ist es aber auch eine gro\u00dfe M\u00fcdigkeit, die sich einstellt. Dazwischen empfindet sie jedoch auch viel Dankbarkeit, f\u00fcr das, was ihre Mutter ihr auf ihrem Weg mitgegeben hat. Gleichzeitig w\u00e4chst ihre Wut auf ihren Bruder, der sich nicht gek\u00fcmmert hat. Au\u00dferdem f\u00fchlt sie sich gekr\u00e4nkt, weil er keinen n\u00e4heren Kontakt mit ihr haben m\u00f6chte. Sie merkt, dass sie diese vielen unterschiedlichen Gef\u00fchle sehr m\u00fcde machen.<\/em><\/p>\n<p><em>In die Schockstarre mischt sich bei der Ehefrau viel Verzweiflung und sie fragt sich, wie sie alles schaffen soll. Wie ein riesiger Berg erscheint ihr, alles, was da auf sie zukommt. Sie f\u00fchlt sich schuldig, weil sie sich kurz vor dem Weggehen \u00fcber eine Kleinigkeit gestritten haben und sie dies nicht mehr kl\u00e4ren konnten. Sie empfindet es als gro\u00dfe Ungerechtigkeit, dass ihr Mann so von ihr fortgerissen wurde &#8211; ein Kleinlaster hatte die Vorfahrt \u00fcbersehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Warum fragen sich die jungen Eltern immer wieder, ist uns das passiert? Viele Tr\u00e4nen beim Vater, viel Traurigkeit und tiefe Verzweiflung bei der Mutter. Sie sp\u00fcrt ihren leeren Bauch, vermisst es ihr Kind nicht in den Armen zu halten, nicht stillen zu k\u00f6nnen. Sie ertr\u00e4gt es fast nicht an einem Kinderwagen mit einem Neugeborenen vorbeizulaufen. Ihr Sohn ist w\u00fctend und zeigt dies seinen Eltern auch. Beide haben gerade keine Zeit f\u00fcr ihn. Die Eltern sind sich dessen auch bewusst und f\u00fchlen sich ihm gegen\u00fcber auch schuldig.<\/em><\/p>\n<p><em>Und manchmal passiert es auch, dass sich f\u00fcr den Trauernden auch, Momente des Gl\u00fccks einschleichen. Froh zu sein, diesen Menschen, wenngleich auch manchmal nur f\u00fcr einen kurzen Moment, gekannt zu haben. Und sich manchmal auch ein Lachen aus dem tiefen Inneren anbahnt und die Anspannung abflie\u00dfen l\u00e4sst.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welche Gef\u00fchle sind es bei Ihnen, die ausgel\u00f6st werden? Vielleicht f\u00fchlen Sie sich ab und zu \u00fcberw\u00e4ltigt von der Unterschiedlichkeit der Gef\u00fchle. Vielleicht haben Sie Angst den Boden unter den F\u00fcssen zu verlieren. Vielleicht haben Sie das Gef\u00fchl sich selbst nicht mehr zu kennen. Sich und ihren Entscheidungen, die sie treffen, nicht mehr so recht trauen zu k\u00f6nnen. Mit diesen Gedanken, Fragen und \u00fcberschie\u00dfenden Gef\u00fchlen stehen Sie als Trauernde(r) nicht alleine, sie sind Bestandteil des Trauerprozesses. Zeigen sich da auf Ihrem pers\u00f6nlichen Trauerweg, wo dies f\u00fcr Sie \u201edran&#8220; ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Neben der Trauer merkt die Tochter auch, dass sie f\u00fcr sich kl\u00e4ren m\u00f6chte, wie sie mit Ihrer Wut und dem \u00c4rger umgehen m\u00f6chte, den sie gegen\u00fcber ihrem Bruder versp\u00fcrt. Auch wenn dies manchmal anstrengend ist und viel Selbstreflexion und Nachdenken \u00fcber Ihre Familie erfordert, sieht sie dies als Chance f\u00fcr sich selbst. Freunde beklagen sich, dass sie sich zur\u00fcckgezogen hat und Freundschaften nicht mehr pflegen w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Ehepaar hatte sich erst vor wenigen Jahren ein Haus gebaut und haben gemeinsam einen gro\u00dfen Kredit aufgenommen. Den kann sie alleine nicht abbezahlen. Au\u00dferdem erinnert sie zu viel an ihren verstorbenen Mann und das ist f\u00fcr sie wie eine Wunde, die nicht heilen will. Nach einer Welle der Hilfsbereitschaft f\u00fchlt sie sich jetzt weitgehend alleine-gelassen und empfindet dies als zus\u00e4tzliche Belastung. Vor allem, weil sie sich um vieles vorher nicht gek\u00fcmmert hat. Sie hat nicht das Gef\u00fchl, dass sie ihre Arbeit so wiederaufnehmen kann. In ihrer Verzweiflung ruft sie bei der Telefonseelsorge an. Hier kann sie zum ersten Mal mit einem Mitarbeiter unbefangen \u00fcber ihre Trauer sprechen. Diese Mitarbeiterin gibt ihr die Information einer Trauerbegleitung weiter, wo die Frau einen Termin ausmacht. Nach dem ersten Termin f\u00fchlt sie sich erleichtert, weil sie das Gef\u00fchl hat, dass ihr jemand zugeh\u00f6rt hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Die jungen Eltern f\u00fchlen sich ohne ihr Kind einsam und machen sich viele Gedanken, streiten immer \u00f6fters. Sie sprechen miteinander und \u00e4u\u00dfern ihre Angst, sich auch noch zu verlieren und auch ihrem anderen Kind keine guten Eltern zu sein. Beim n\u00e4chsten Besuch beim Kinderarzt wird die Frau auf ein Faltblatt einer Selbsthilfegruppe f\u00fcr Eltern, die ihr Kind verloren haben, aufmerksam. Zusammen mit ihrem Mann plant sie zum n\u00e4chsten Treffen zu gehen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist nicht nur die Tatsache, dass Sie einen wichtigen Menschen verloren haben, sondern auch, dass Sie selbst viele Anpassungsleistungen erbringen m\u00fcssen. In Ihrem h\u00e4uslichen Alltag, Ihrem Beruf, in Ihrem Freundeskreis.<\/p>\n<p>Und dazu auch noch die vielen unsichtbaren Gedanken an Trauer, die nicht nach au\u00dfen dringen, nur f\u00fcr Sie sicht- und f\u00fchlbar sind. Das kann Sie von anderen weit entfernen. Ihre Aufmerksamkeit kann ganz bei sich liegen. Dies kann auch dazu f\u00fchren, dass Sie unaufmerksam gegen\u00fcber anderen sind, kann aber auch zur Vernachl\u00e4ssigung Ihrer Aufgaben f\u00fchren. Sprechen Sie Menschen, auch Ihren Arbeitgeber darauf an, wenn dies f\u00fcr sie wichtig sein sollte.<\/p>\n<p>F\u00fcr beide Seiten &#8211; f\u00fcr Familienangeh\u00f6rige und Freunde &#8211; sowie f\u00fcr Sie kann die Anpassung an die neue Situation ein schwieriger Prozess sein:<\/p>\n<p>Sie m\u00fcssen den Impuls der anderen aushalten k\u00f6nnen, dass es Ihnen gut gehen soll. Die anderen m\u00fcssen aushalten, dass es Ihnen zun\u00e4chst nicht bessergeht.<\/p>\n<p>Suchen Sie sich Wegbegleiter, die Zeit und Geduld mitbringen. Das richtige Ma\u00df an Zuwendung und Verst\u00e4ndnis. Menschen, die Ihnen Platz f\u00fcr Ihre eigene Entwicklung lassen und auch Orientierung geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Tochter hat einige Erinnerungen, die ihr wichtig sind, an Orte gestellt, an denen sie oft vorbeikommt. Gedanken an Ihre Mutter sind in ihrem Alltag pr\u00e4sent. Nachdem Sie f\u00fcr sich verstanden hat, welche Anspr\u00fcche sie an ihren Bruder gestellt hat und die dieser gar nicht erf\u00fcllen kann, ist sie zufriedener mit sich. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Ehefrau ist stolz auf sich. Sie hat den Hauskauf und den Umzug in ein kleineres Apartment gut bew\u00e4ltigt. Sie f\u00fchlt sich gut bei ihrem Trauerprozess begleitet. Es ist ihr wichtig bei Entscheidungen, die sie fr\u00fcher gemeinsam getroffen haben, zu sehen, dass sie dies jetzt selbst kann. Das gibt ihr Kraft und neue Lebensenergie, sich auch wieder mehr anderen Menschen zuzuwenden. <\/em><\/p>\n<p><em>Den Eltern hat gut geholfen, sich mit anderen Eltern in der Selbsthilfegruppe auszutauschen. Es hat ihnen geholfen jede(r) f\u00fcr sich Wege zu finden, mit dem Tod ihrer Tochter umzugehen. Dieser Weg hat sie auch als Paar noch st\u00e4rker zusammengebracht. Der Geburtstag, der auch Todestag ist, hat einen besonderen Platz im Jahr<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welche Erinnerungen haben Sie an den Verstorbenen? Was ist ihnen in Bezug dazu besonders wichtig? Was ist f\u00fcr sie hilfreich? Aber gibt es auch Erinnerungen, die eher hinderlich sind? Gibt es Menschen, mit denen sie diese Erinnerungen teilen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Achtsam mit den Erinnerungen umzugehen, bedeutet auch etwas Wertvolles zu bewahren. Es kann bedeuten einen Raum\/Ort zu haben, an dem sie dem Verstorbenen begegnen k\u00f6nnen. Und zwar so, wie es f\u00fcr sie passend ist. Es kann auch bedeuten Tr\u00e4ume zu haben, Wahrnehmungen zu haben, die sie an den anderen Menschen erinnert und mit ihm verbindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Das gemeinsame Treffen zwischen ihr und ihrem Bruder hat Kl\u00e4rung gebracht und sie konnten einiges an fr\u00fcheren Missverst\u00e4ndnissen ausr\u00e4umen. Das hat die beiden wieder st\u00e4rker zusammengebracht. Die Tochter hat das Gef\u00fchl, dass sie gest\u00e4rkt aus der Trauer hervorgegangen ist und bereit ist f\u00fcr neue berufliche Herausforderungen. Sie will sich auch einen lang gehegten Wunsch erf\u00fcllen, den ihre Mutter mit ihrer Angst stets zu verhindern gewusst hat, n\u00e4mlich das Drachenfliegen zu erlernen. <\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fcr die Frau war ein Leben ohne ihren Mann zun\u00e4chst nicht vorstellbar. Sie hat vieles gelernt, auch wie sie alleine mit Situationen in ihrem Alltag umgehen kann. Sie hat an Selbstwert und St\u00e4rke gewonnen. Auch Menschen, die sie schon lange kennen, best\u00e4tigen Ihr, dass sie aufbl\u00fcht und sich positiv ver\u00e4ndert hat. Sie f\u00fchlt sich noch immer stark mit ihrem verstorbenen Partner verbunden und gleichzeitig f\u00fchlt sie sich auch wieder bereit, auf andere Menschen zuzugehen. Sie k\u00f6nnte sich jetzt auch wieder vorstellen eine neue Partnerschaft einzugehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nachdem die junge Familie gest\u00e4rkt aus der Krisensituation hervorgegangen ist, gibt es gute Neuigkeiten: die Frau erwartet wieder ein Kind. Alle freuen sich mit. Die Frau kann ihre Schwangerschaft genie\u00dfen und beide schauen der Geburt positiv entgegen. Sie k\u00f6nnen jedoch auch offen \u00fcber ihre \u00c4ngste sprechen. Beide engagieren sich in der Selbsthilfegruppe. Es ist ihnen wichtig geworden, andere Menschen in \u00e4hnlichen Situationen zu unterst\u00fctzen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die aufgez\u00e4hlten Trauerwege m\u00f6gen beispielhaft sein. Sie haben ihren eigenen Trauerweg (durchlaufen), mit seinen ganz eigenen Abzweigungen, Sackgassen und Schotterwegen. Ihr Weg ist einzigartig. Auch die Ver\u00e4nderungen, die mit der Trauer einhergehen.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie f\u00fcr sich sagen, wo Sie Ver\u00e4nderungen bei sich feststellen? Hat ihr Weg etwas an ihren Einstellungen oder Werten ver\u00e4ndert? Haben Sie neue Visionen, Werte oder setzen Sie andere Priorit\u00e4ten wie Vorher? Oder vielleicht haben Sie das Gef\u00fchl, endlich das zu leben, was Sie leben wollen? Hat sich etwas in Ihrem Leben in Bezug auf andere Menschen ver\u00e4ndert? Denken Sie anders \u00fcber gesellschaftliche Themen nach?<\/p>\n<p>Vielleicht kommen Ihnen einige dieser Fragen bekannt vor, vielleicht stellen Sie sich ganz andere Fragen. Vielleicht sind Ihnen in Ihrem Trauerprozess Dinge klargeworden, die Sie sonst nicht gesehen h\u00e4tten. Vielleicht gelingt es Ihnen in dem Schmerzhaften auch etwas zu entdecken, dass Ihnen neue Perspektiven erschlie\u00dft und sie Ihr Leben &#8211; zwar anders wie erhofft &#8211; leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote><em>Menschen treten in unser Leben <\/em><br \/>\n<em> und begleiten uns ein St\u00fcck weit. <\/em><br \/>\n<em> Manche von ihnen bleiben f\u00fcr immer, <\/em><br \/>\n<em> denn sie hinterlassen ihre Spuren <\/em><br \/>\n<em> in unseren Herzen.<\/em>\n<em> In jedem Sterben k\u00fcndigt sich ein neues Leben an. <\/em><br \/>\n<em> Sterben hei\u00dft umziehen an einen anderen Ort. <\/em><br \/>\n<em> Aus dem Nebel ist sie hinauf gewandert an die Sonne. <\/em><br \/>\n<em> Wo die Worte enden, beginnt die Musik. <\/em><br \/>\n<em> Wende dein Gesicht zur Sonne, <\/em><br \/>\n<em> und die Schatten fallen hinter dich.<\/em>\n<p>\u00c4thiopisches Sprichwort<\/p><\/blockquote>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/454545.lu\/de\/unsere-infotexte\/themenbereich-krisen-wendepunkte-im-leben\/trauer-krisen-neue-perspektiven-finden\/#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Chris Paul, Kaleidoskop des Trauerns, <a href=\"http:\/\/www.trauerinstitut.de\">www.trauerinstitut.de<\/a><\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trauer bedeutet Verlust. Verlust von etwas, was Ihnen wertvoll ist. Einen geliebten Menschen zu verlieren, hei\u00dft jemanden loszulassen, der einem viel wert ist. Sie werden nicht gefragt, ob Sie dies m\u00f6chten, sondern werden &#8211; vom einen zum anderen Moment &#8211; in eine Realit\u00e4t geschleudert, die Sie so nicht gew\u00e4hlt haben. Trauerwege sind individuell sehr unterschiedlich.&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":15467,"parent":17103,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-17031","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/17031","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17031"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/17031\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/17103"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15467"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/454545.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17031"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}